Am ersten Tag starteten wir leider nicht wie geplant auf dem Wanderpfad, sondern mit Karte und Kompass ausgerüstet ging es ab in die Wildnis mit dem Ziel, im Laufe des Tages auf den Pfad zu kommen und dort den Rest des Weges zu gehen. Leider stellte es sich aber durchaus als schwierig dar die Orientierung in der sich ständig gleichenden Berglandschaft zu behalten und bald waren wir uns auch schon recht unsicher über unsere aktuelle Position auf der Landkarte. Doch weiter ging es durch unwegsames Gelände und mückenverseuchten sumpfigen Waldboden.
Besonders durch zwei Dinge unterschieden sich die Wälder in Colorado von denen in der Schweiz oder Österreich: Myriaden von Mücken die jede Rast oder stillstehen zur Qual machen, sowie eine echt authentische Wildernis. Während in der Schweiz oder Österreich der Wald meist kultiviert ist und krankes oder vom Sturm umgewehtes Holz bald zu Brennholz verwertet wird, ist der Wald in Colorado wirklich der Natur überlassen und manchmal ist ein durchkommen wegen der vielen umgefallenen Baumstämme gar nicht so einfach:
Um Wasser brauchten wir uns aber auf der ganzen Reise keine Sorgen zu machen, denn wir trafen oft auf Bäche mit klarem trinkbaren Wasser:
Nach einigen Stunden mühseligen Wanderns beschlossen so hoch wie möglich bergauf zu steigen, um vielleicht ein bisschen Aussicht zu gewinnen und dadurch herauszufinden wo in der Gebirgslandschaft wir eigentlich waren. Zu guter Letzt kletterte Isaiah sogar auf einen Baum, doch ohne Erfolg. Glücklicherweise fanden wir kurz danach eine Gruppe von Rangers (Waldaufseher), von denen wir erfuhren, dass wir gar nicht weit vom Pfad entfernt waren. Kurz nachdem wir den Pfad fanden kamen wir dann auch endgültig aus der Baumzone heraus und das erste Schneefeld kam auch in Sicht:
Um circa 16 Uhr des ersten Tages erreichten wir dann auch unser Limit für den Tag und wir schlugen unsere Zelte ein bisschen über Blue Lake auf:
Wieviele Höhenmeter wir in Steigung gleich am ersten Tag überwunden hatten kann ich nicht sagen, aber alles in allem waren wir für 8 Stunden durch gewandert und hatten mit circa 30kg Gepäck mindestens 30km zurückgelegt. Für den ersten Tag war dieser Gewaltmarsch dann auch für einige, mich eingeschlossen zu viel und durch die große Erschöpfung hatten einige starke Kopfschmerzen und heftige Bauchschmerzen. Diejenigen unter euch die je mit Gewichten trainiert haben kennen sicher dieses Gefühl, wo durch Überanstrengung der Magen rebelliert und man weder essen noch viel trinken kann und womöglich gar erbricht. In den Bergen von Colorado gibt es auch einen ganz interessanten Wettereffekt. Jeden Tag zwischen 4 und 5 Uhr gibt es ein Gewitter das für mehrere Stunden anhalten kann. Aus diesem Grund muss man die Zelte auch schon früh aufstellen und im dementsprechend schon am späten Nachmittag schlafen gehen.
Der zweite Tag
Circa um 8 Uhr am Morgen ging es dann auch wieder weiter und diejenigen die früh genug aufstanden konnten sogar noch den herrlichen Sonnenaufgang über dem See genießen:
Am zweiten Tag ging es wenigstens am Anfang besser und wir konnten flott auf dem Plateau der kontinentalen Wasserscheiden entlang marschieren. Zu dem Wanderweg muss gesagt werden, dass er größtenteils aus nicht mehr als verschiedenen Steinhaufen, die in mehr oder weniger großen Abständen angeordnet waren, bestand. Da so wenige Leute dort wirklich wandern, ist es auch ein leichtes den Pfad zu verlieren und sich zu verirren.
So geschah uns dann leider nach unserer Mittagsrast an einem weiteren Gebirgssee
und nach einigen Stunden dämmerte uns, dass wir Tierpfaden und Spuren gefolgt waren, statt unserem Wanderpfad. Da war es aber dann schon zu spät und wir befanden uns in einem tiefen Tal mit steilen Kliffen zu beiden Seiten. Es gab nur zwei Optionen, entweder wir würden den ganzen Weg zurück gehen und probieren den richtigen Pfad zu finden, oder wir würden das felsige Kliff, dass wenigstens ungefähr in unserer Richtung lag, besteigen um danach anhand der Landschaft unsere Position festzustellen.
Auf dem folgenden Bild sieht man eine der weniger steilen Stellen des Kliffs. Der steile Anstieg auf dem schlüpfrigen nassen Waldboden mit den schweren Rucksäcken brachte uns ganz schön ins Keuchen und wir mussten oft anhalten um Atem zu holen. Besonders die gut 30 Meter hohen Felsen am oberen Ende des Kliffs schienen unüberwindlich ohne Bergsteigerausrüstung.
Schließlich fanden wir doch noch eine Stelle die machbar schien und größtenteils auf allen Vieren kämpften wir uns durch. Auf dem folgenden Bild sieht man im linken Teil die Spalte durch die wir kletterten. Es sieht recht harmlos aus, aber besonders im oberen Teil war die Steigung dann bei circa 70% und ich musste mich mit beiden Händen festhalten und konnte nicht gefahrlos ein Bild machen.
Ein wenig töricht war unser Unterfangen allemal, denn wenn jemand ausgerutscht wäre oder das Gleichgewicht verloren hätte, dann kann ich ehrlich nicht sagen wie weit er gefallen, oder wie wir einen Verletzten in der entlegenen Wildnis transportiert hätten.
Gott sei Dank ist aber nichts passiert und wir kamen alle heil aber erschöpft auf dem Plateau an. Wenigstens die herrliche Aussicht war belohnend:
Leider stellte es sich bald heraus, dass das erste Kliff nur der Vorläufer eines weiteren Felsenabschnitts war, aber in diesem Fall war es wenigstens solider fester Fels, auf dem man einfacher klettern konnte. Da mir Klettern immer schon Spass gemacht hat war ich dann auch ein bisschen voraus und konnte dadurch dieses Foto schießen:
Nach dem harten Aufstieg war es dann auch Zeit unsere Leistung ;-) in einem Gruppenfoto zu verewigen. Im folgenden Bild sieht man die ganze Gruppe (von links nach rechts: Malachi, Abby, Josiah, Isaiah, Ben, Eli und ich)
(Wie immer kann man durch Klicken auch die volle Auflösung des Fotos erhalten)
Da dieser Eintrag nun schon wirklich lang ist, werde ich die Geschichte in einem weiteren Eintrag fortsetzen. Um weiterzulesen bitte hinaufscrollen zum Eintrag "Colorado Nr. 3"
1 Kommentare:
wenn ich das gewusst hätte , dann hatte ich mehr gebetet.
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